Das IPSC-Schießen stellt weltweit die dynamischste Herausforderung für den Sportschützen mit der Kurzwaffe, der Büchse oder auch der Flinte dar. IPSC wird weltweit in über 80 Ländern nach einem internationalen Regelwerk geschossen. Dieses kann aber durch geltende Gesetze der einzelnen Länder verschärft sein. In Deutschland haben wir hier auch z. B. einige Einschränkungen bzgl. der klaren Abgrenzung zum Verteidigungsschießen wie dies in unserem Waffengesetz definiert ist. Sportschützen dürfen in Deutschland u. a. nicht aus dem klar erkennbaren Laufen schießen, sie dürfen nach Abgabe des ersten Schußes keine Hindernisse mehr überwinden und es dürfen auch z. B. keine Türen und Fenster in den Parcours verwendet werden.

Weltweit sind die IPSC-Rechte in jedem Land ausschließlich an einen Verband vergeben und hier in Deutschland ist dies seit vielen Jahren der Bund Deutscher Sportschützen e. V. Innerhalb des BDS wird der Bereich IPSC vom German Range Officer Institut ( GROI ) geleitet und verwaltet.

Den meisten Zuspruch beim IPSC-Schießen findet traditionell weltweit und somit auch bei uns das Kurzwaffenschießen. Hier gibt es verschiedene Wertungsklassen gem. spezieller technischer Spezifikationen von Waffen und Schützenausrüstung:

Production:

Hier werden ausschließlich Selbstladepistolen - nahezu ausschließlich Kaliber 9mm Luger - geschossen, die durch den IPSC-Weltverband als konzipierte SA/DA-Dienstpistolen anerkannt und gelistet sind. Bei diesen Waffen sind auch die Möglichkeiten zur Überarbeitung stark eingeschränkt und es dürfen generell ausschließlich Magazine mit einer Maximalkapazität von 15 Patronen genutzt werden. Der jeweils erste Schuß einer Übung muß im Regelfall zwingend im DA-Abzugsmodus geschossen werden.

Standard:

Die hier verwendeten Selbstladepistolen können zum Beispiel als Unterschied zu Production auch als reine Sportwaffen konzipiert sein. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten der Tuningmaßnahmen, die eigentlich nur von der maximalen Waffengröße über eine vorgeschriebene Prüfbox ( einfach gesagt eine 5"-Waffe ) begrenzt werden sowie der Vorgabe das keine Gasentladungsbohrungen und keine elektronische Visierung vorhanden sein darf. Hier dominieren klar die Waffen der Baureihe 1911, 2011 mit großen Griffstücken im Kaliber .40S&W.

Classic:

Eine noch junge Divison, die ausschließlich Pistolen im klassischen 1911er Design zulässt. Weiterhin ist auch hier ist die Waffe auf max. 5" begrenzt und übergroße Magazine sind nicht zugelassen. Im Regelfall werden hier Ausführungen in Kaliber 9mm Luger oder .45Auto verwendet.

Open:

Die Open-Divison stellt die Formel 1 im IPSC-Sport dar. Hier werden Waffen genutzt, bei denen es eigentlich nur eine einzige Beschränkung gibt: Maximale Länge des Magazines 170mm. Alles andere was man sich bei einem guten Hersteller oder Büchsenmacher kaufen kann ist zulässig. Auch hier ist die Basiswaffe meistens ein Modell der 1911er, 2011er Basis mit verschiedenen Kalibern wie 9mm Luger, .38 SA und anderen.

Revolver:

Aufgrund der Trommelkapazität wird diese Division innerhalb der Übungen fast immer in einem völlig anderen Ablauf geschossen, da die Schützen die Stage über die Nachladepositionen definieren müssen. Es werden hier nahezu ausschließlich Modelle aus dem Hause S&W in den Kalibern .45Auto oder .357 Magnum genutzt aber auch Exoten wie .40S&W (als Revolverpatrone) trifft man hier an. Die Waffen können in großem Umfang überarbeitet werden aber auch hier sind Gasentladungsbohrungen und elektronische Visierungen nicht zugelassen. Das Nachladen erfolgt über Speed-Loader oder mittels sogenannter Moon-Clips.

Kleinkaliber:

Deutschland ist eine Testregion und bietet auch das IPSC-Schießen mit KK-Kurzwaffen an. Diese müssen allerdings auf Gebrauchspistolen basieren und man lehnt sich an das Regelwerk Standard an. Man sieht hier die verschiedensten Waffenmodelle aber auch viele Wechselsystem auf GK-Kurzwaffen. Diese Disziplin ist für Deutschland sehr wichtig, da dies für die Jugendarbeit aufgrund der Vorgaben des WaffG. die einzige IPSC-Einstiegsmöglichkeit für Jugendliche ist.

Die Wertung erfolgt über ein weltweit genutztes Auswerteprogramm, welches über einen Faktor aus Treffern und Zeit (elektronische Messung durch Range Officer) den Hitfaktor und die Punkte errechnet. Außer im Bereich Production und KK gibt es auch unterschiedliche Powerfaktoren, d.h., dass man einem Schützen mit einer Waffe 9mm Luger z. B. bei Treffern weniger Punkte anrechnet als einem Schützen mit einer Waffe .40S&W in der gleichen Wertung. Dies ergibt sich aus dem Sachverhalt, dass man dem Schützen mit der stärkeren Waffe ein höheres Handicap wegen des stärkeren Impulses zugesteht. Man nennt diese Power-Faktoren Minor (z. B. 9mm Luger) und Major (z. B. .40 S&W).

Es gibt auch das IPSC-Schießen mit der Langwaffe nach einer Erweiterungsprüfung zur Erlangung der IPSC-Langwaffenlizenz:

Büchse:

Im Bereich IPSC-Büchse werden im Regelfall SL-Büchsen der Kal. .223 und .308 geschossen. Das Regelwerk sieht hier auch zwingend vor, dass die Mehrzahl der Wertungsziele auf Distanzen über 100m beschossen werden und somit ist hier natürlich neben der Dynamik auch ein hoher Präzisionsanteil gefordert. Die Waffen werden in einer Standardklasse mit offener Visierung und einer offenen Klasse mit Zielgeräten eingeteilt. Innerhalb des Bereiches IPSC-Büchse wird auch noch das Schießen der Büchse mit Kw-Patrone angeboten. Dies sind dann aber eigene Matches auf deutliche kürzere Distanzen wie bei den o.g. „großen Brüdern". Auch hier wird in einer Standardklasse und in einer offenen Klasse geschossen. Derzeit werden hier auch die Kurzwaffen mit Anschlagschaft einbezogen.

Flinte:

Bei IPSC-Flinte gibt es Vorderschaftsrepetierflinten mit offener Visierung (Standard Manual), Selbstladeflinten mit offener Visierung (Standard) und die offene Klasse (sobald ein Zielgeräte montiert wird und/oder die Flinte mit einem Kastenmagazin geladen wird).

Bei dieser Art des IPSC-Schießens wird überwiegend auf Außenanlagen mit Schrot auf Stahlziele (Popper, Plates) geschossen . Ein wesentlicher Bestandteil des sportlichen IPSC-Schießens mit der Flinte ist die Ladetechnik, da speziell alle Flinten ohne Kastenmagazin einzeln geladen werden müssen und hierzu die verschiedensten Techniken bei Patronenhalterungen und Nachladetechnik vertreten sind.

Soweit zu den Waffengattungen und ein paar Anmerkungen und Erläuterungen zu den Wertungsklassen.

Die Schützen werden auch bei IPSC in Alterklassen eingeteilt: bis 21 Jahren Junior, ab 50 Jahren Senior und ab 60 Jahren Super-Senior. Frauen werden in einer eigenen Klasse (Ladies) gewertet.

Der Zugang zum IPSC-Schießen erfolgt in Deutschland zwingend über eine aktive BDS-Mitgliedschaft, da unser Verband die alleinigen IPSC-Vertretungsrechte für Deutschland besitzt. Die zweite Voraussetzung zur Teilnahme am IPSC-Schießen ist die erfolgreichte Teilnahme am Sicherheits- und Regeltest (SuRT). In dieser Veranstaltung werden die wichtigsten Punkte des Regelwerkes vorgetragen und die Interessenten müssen eine theoretische und praktische Prüfung absolvieren (siehe hierzu den Menüpunkt im Bereich Ausbildungen). Erfreulicherweise haben wir in Deutschland ein sehr reichhaltiges Angebot an IPSC-Matches und auch in Hessen werden in den Raumschießanlagen Heusenstamm und Dreieich jährlich mehrere Matches angeboten. Die zentrale Schießanlage befindet sich in Philippsburg (BW), wo auf einem weitläufigen Außengelände auch auf einer Vielzahl von Bahnen zwischen 25m und 300m geschossen werden kann.

Ein wichtiger Punkt für IPSC-Einsteiger ist natürlich eine brauchbare Waffe und Grundausstattung, denn ohne diese Dinge werden Spaß und Erfolg oftmals nicht oder nur schwer zu erreichen sein. Interessente sollen sich immer einen ersten Eindruck als Gast bei einem Training verschaffen.